Im Rahmen unseres Forschungsprojekt WWNW, unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Sebastian Lehnhoff wurde eine ungewöhnliche Maßnahme mit Vorbildcharakter an der Universität Oldenburg umgesetzt.

Innovative kälte- und wärmetechnische Anlagen werden hier installiert und intelligent vernetzt, um Energiekosten und CO2-Emissionen zu reduzieren. Das Ziel ist es, Energie effizienter zu nutzen und Lösungen zu entwickeln, die auf andere Universitäten übertragbar sind. Wesentlich beteiligt an diesen Maßnahmen ist die Arbeitsgruppe des Forschungsfeldes 4, „Experimentalcampus Digitalisierte Wärmewende an der Universität Oldenburg“ unter der Leitung von Ekaterina Lesnyak aus dem Department für Informatik.

Die nun neu umgesetzten Maßnahmen sollen zukünftig als Beispiel für effektive Energienutzung für Neubauten und Sanierungen an anderen Hochschulen dienen.

 

Umgesetzte Maßnahmen

Die erste umgesetzte Maßnahme ist die Wärmerückgewinnung des Hochleistungsrechencluster der Universität. Damit gehört die Universität zu einer der wenigen in Deutschland, die dieses Verfahren anwendet.

Ein Teil der Server des Hochleistungsrechencluster werden mit Wasser gekühlt. Das Kühlwasser, das den Cluster verlässt, hat eine Temperatur von etwa 45 Grad Celsius. Diese thermische Energie wird nun zum Heizen genutzt: Mittels einer Hochtemperatur-Wärmepumpe wird das Wasser auf 75 Grad Celsius erwärmt und ins Wärmenetz der Universität eingespeist. Diese Wärme ergänzt die Leistung des Blockheizkraftwerks auf dem Campus Haarentor, das mehrere Gebäude mit Wärme versorgt. „Da die Wärme des Rechenzentrums ganzjährig zur Verfügung steht, lässt sie sich beispielsweise nutzen, um das Unibad zu heizen“, erklärt Meik Möllers, Dezernent für Gebäudemanagement. Die Wärmerückgewinnungsanlage liefert jährlich rund 500.000 Kilowattstunden Wärme, was dem Heizbedarf von etwa 30 Vier-Personen-Haushalten oder einer Einsparung von gut 100 Tonnen CO2 entspricht.

Die anderen Server des Rechenzentrums sind luftgekühlt. Um deren Betrieb auch bei Außentemperaturen von mehr als 40 Grad Celsius sicherzustellen, wurde eine hocheffiziente Kompressionskälteanlage eingebaut. So erfüllt die Universität bereits jetzt die Vorgaben für 2026 des neuen Energieeffizienzgesetzes zu Rechenzentren. Die Universität investierte 2,5 Millionen Euro aus Eigenmitteln sowie weitere 300.000 Euro aus Projektmitteln, um eine effiziente Kälte- und Stromversorgung der wissenschaftlichen Rechner zu gewährleisten.

 

Was kommt jetzt?

Zwei weitere Projekte im Rahmen des Projekts WärmewendeNordwest sind bereits in Planung und sollen im Herbst abgeschlossen werden. Erstens wird die seit 1982 in Betrieb befindliche Lüftungsanlage der Universitätsbibliothek erneuert und mit moderner Wärmerückgewinnungstechnik ausgestattet. Zweitens wird im Blockheizkraftwerk auf dem Campus Wechloy eine Absorptionskältemaschine installiert, die die Abwärme des Kraftwerks nutzen soll, um Kälte für die naturwissenschaftlichen Labore zu erzeugen, die zur Kühlung von Lasern und anderen Geräten benötigt wird.

Langfristig ist das Ziel, durch ein Gebäudemanagement-Leitsystem mit autonomen und teilautonomen Softwareagenten Optimierungsstrategien zu entwickeln, um die bisher isoliert betriebenen großtechnischen Anlagen für Heizung, Kühlung, Belüftung und Stromerzeugung im Verbund zu betreiben und intelligent zu vernetzen, was nicht nur das lokale Wärmenetz des Campus optimieren, sondern auch zusätzliche Flexibilität für den regionalen Energiemarkt und das Stromnetz schaffen soll.

 

Zur Pressemitteilung der Uni Oldenburg geht es hier:

  • auf deutsch: https://uol.de/pressemitteilungen/2024/097
  • auf englisch: https://uol.de/en/news/article/sustainable-heating-for-the-campus-9439