Die Stadt Oldenburg hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Bis 2030 soll die Stadt klimaneutral werden. Ein wichtiger Baustein auf diesem Weg sind die kommunalen Gebäude. Der Gebäudebestand stellt dabei eine besondere Herausforderung dar: Insgesamt umfasst er rund 345 Liegenschaften mit sehr unterschiedlichen Nutzungen, Baualtersklassen und technischen Ausstattungen. Diese Heterogenität erschwert eine schnelle und einheitliche energetische Sanierung aller Gebäude.
Im Rahmen des Forschungsprojekts WärmewendeNordwest wurde daher untersucht, wie diese Gebäude möglichst schnell und sinnvoll klimafreundlicher betrieben werden können. Ziel war es, eine geeignete Strategie für die Transformation des kommunalen Gebäudebestands zu entwickeln. Dafür wurde ein Sanierungskonzept für die städtischen Liegenschaften erarbeitet. Mit der Erstellung des Konzepts wurde die Bietergemeinschaft Delta-Q beauftragt (Link: Über uns – DELTA-Q ).
Im Rahmen der Analyse wurden der energetische Zustand der Gebäude sowie mögliche Sanierungs- und Transformationspfade mithilfe von Delta-Q entwickelten Online-Tools untersucht. Dabei zeigte sich, dass eine umfassende Sanierung aller Gebäude auf ein sehr hohes Effizienzniveau sehr zeit- und kostenintensiv wäre und innerhalb kurzer Zeit kaum umsetzbar ist. Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Annahme, dass fossile Energieträger künftig nicht mehr eingesetzt werden können. Daher steht die Elektrifizierung der Wärmeversorgung – insbesondere durch Wärmepumpen – im Mittelpunkt der Überlegungen. Gleichzeitig spielt der Ausbau von Photovoltaikanlagen eine zentrale Rolle, um den benötigten Strom möglichst vor Ort zu erzeugen.
In der Studie wurden unterschiedliche Entwicklungswege betrachtet. Zum einen wurde untersucht, inwieweit Klimaneutralität durch eine umfassende energetische Sanierung der Gebäude erreicht werden kann, kombiniert mit Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen auf den Dächern. Zum anderen wurde ein Ansatz analysiert, bei dem die Gebäude energetisch weitgehend im heutigen Zustand bleiben, während ein sehr starker Ausbau von Photovoltaik – auch über Dachflächen hinaus – den höheren Energiebedarf ausgleichen soll.
Zwischen diesen beiden Extremen wurde außerdem ein Kompromissansatz untersucht, der sich als besonders praktikabel erwiesen hat. Die Kombination aus gezielten energetischen Sanierungsmaßnahmen und einem verstärkten Ausbau erneuerbarer Energien stellt den sinnvollsten Weg zur Klimaneutralität dar. Konkret bedeutet das:
- wirtschaftlich sinnvolle bauliche Sanierungsmaßnahmen: Gebäude werden nur so weit energetisch saniert, wie es für einen effizienten Betrieb erforderlich ist
- schrittweise Umstellung der Wärmeversorgung auf Wärmepumpen, um langfristig erneuerbare Energien zu nutzen
- Ausbau von Photovoltaikanlagen auf möglichst vielen Dach- und Fassadenflächen sowie gegebenenfalls auf geeigneten Freiflächen
Neben der technischen Strategie liefert das Konzept auch eine Grundlage für die weitere Umsetzung. Dazu gehören Priorisierungsvorschläge für Gebäude, Empfehlungen zur Verbesserung der Datenerfassung sowie Ansätze für eine systematische Planung zukünftiger Sanierungsmaßnahmen. Somit stellt das erarbeitete Konzept einen wichtigen Schritt dar, um die städtischen Gebäude schrittweise klimaneutral zu betreiben und gleichzeitig die Energiewende auf lokaler Ebene voranzubringen.
Die im Konzept als am sinnvollsten bewertete Strategie wurde von der Stadt Oldenburg (EGH) grundsätzlich ausgewählt. Zusätzlich wird im Rahmen des Projekts ein Sanierungsleitfaden aus dem Konzept abgeleitet, der konkrete Schritte für die zukünftige energetische Sanierung der kommunalen Gebäude beschreibt. Aufgrund begrenzter Kapazitäten wird die Umsetzung zunächst intern weiter geplant. Anschließend sollen die Ergebnisse und der vorgeschlagene Sanierungspfad auch im Betriebsausschuss vorgestellt werden, der die Ergebnisse dann prüft und entscheidet, welche Sanierungsmaßnahmen wann umgesetzt werden sollen. Weitergehend begleitet der Betriebsausschuss das weitere Vorgehen politisch.
Der vollständige Bericht kann hier eingesehen werden: Link

